Systemische Strukturaufstellungen (SySt) ®

Spielen im Raum der Möglichkeiten

Bei einer systemischen Strukturaufstellung stellst Du Dein mitgebrachtes Thema als Bild im Raum dar. Das heißt, alle für Dich relevanten Aspekte Deines Anliegens bekommen von Dir einen Platz im Raum und werden aufgestellt. So entsteht ein erstes Bild, innerhalb dessen so lange umgestellt, ausprobiert und verändert wird, bis alle Elemente im Bild in guter Beziehung miteinander sind und ein für Dich stimmiges Lösungsbild entstanden ist.

Systemische Strukturaufstellungen arbeiten und wirken an der Struktur eines Themas. Uns interessiert eher, auf welche Art und Weise die einzelnen Elemente Deines Anliegens zusammenhängen, als die einzelnen Inhalte der Elemente selbst. Alle aufgestellten Elemente gehören dazu und repräsentieren jeweils wichtige Aspekte und Bezüge.

Wie im richtigen Leben auch. Da können wir ja auch nicht einzelne unangenehme Teile oder Aspekte eines Themas einfach wegzaubern oder inhaltlich verändern (die Schwiegermutter oder den kranken Fuß). Was wir jedoch sehr wohl können, ist die Beziehung dazu in Richtung eines „besser“ einnehmen. Die Veränderung Deines Themas geschieht dann, als Folge Deiner inneren Haltungsänderung, ganz von alleine.

Was kann man alles aufstellen?

Mit systemischen Strukturaufstellungen kannst Du jedes Thema, das Du mit Worten ausdrücken kannst aufstellen und sogar darüber hinaus. Oftmals wissen wir ja selbst gar nicht so genau, um was es uns bei einer Sache eigentlich geht oder haben Schwierigkeiten damit, es mit Worten auszudrücken.

Die Anliegen können aus den Bereichen Persönlichkeit, Familie und Partnerschaft, Gesundheit, Körper, Psyche oder Beruf und Berufung kommen.

Aufstellungen schenken Dir wertvolle Hinweise und Impulse, die Dir weitere Schritte in Bezug auf Dein Thema erleichtern. Sie stärken Deine Anbindung an innere und äußere  Ressourcen und verschaffen Dir einen Überblick und dadurch mehr Klarheit und Transparenz über Dein mitgebrachtes Anliegen. Du erhältst einen Mehrwert an Ideen, Informationen und Erkenntnisse, auf die Du durch das einfache „darüber reden“ nicht gekommen wärst.

Unterschiede von Systemischen Strukturaufstellungen (SySt) ® und andere Formen der Aufstellungsarbeit

Selbstverständlich kann eine Systemische Strukturaufstellung auch eine Familienstruktur darstellen. Wir stellen dabei das subjektive innere Bild des Klienten, in Bezug auf sein Thema im Familiensystem, auf. Nicht jedoch das Familiensystem selbst.

Systemische Strukturaufstellungen arbeiten lösungsorientiert. Das heißt die ganze Ausrichtung der Aufstellung geht in Richtung einer Lösung. Und zwar Lösung aus Sicht des Klienten. Nicht wir als Gastgeber geben vor, wie eine Lösung auszusehen hat. Einzig der Klient weiß, wie seine Lösung aussieht. Es gibt auch nicht „die eine Lösung“ im Sinne eines: So soll es sein! Lösung kann bei uns ganz vieles sein. „Etwas“ löst sich  oder Prozesse werden ausgelöst. Jede Lösung ist einzigartig und neu, oftmals überraschend, meist sehr berührend und immer heilsam für den Klienten selbst.

In Systemischen Strukturaufstellungen fragen wir die Repräsentanten nach relevanten Unterschieden, hauptsächlich ihres Körperempfindens, ab. Wir fragen nicht nach absoluten Werten wie zum Beispiel: Wie geht es Dir? Wir würden fragen: Was hat sich für Dich verändert, seit Du jetzt hier stehst und seit XY dazugekommen ist? Und weisen immer wieder auf die Unterschiede in der Körperwahrnehmung hin. Wo im Körper nimmst Du Unterscheide wahr? Ist das besser, schlechter, gleich oder einfach anders?

Bei Systemischen Strukturaufstellungen sind wir ganz bewusst Gastgeber einer Aufstellung. Wir sind keine Aufstellungsleiter. Wir halten als Gastgeber, gemeinsam mit der Gruppe, den Raum für die stattfindenden Prozesse und wenden in der Aufstellung eine klare Grammatik, welche verschiedene Interventionsmethoden für uns bereithält, an. Wir folgen den Hinweisen der einzelnen Systemelemente in Richtung „besser“. Wie kann etwas für den Klienten, unter welchen Voraussetzungen besser werden? Wir sind in Interaktion mit den Äußerungen und Hinweisen aller Repräsentanten und dem Klienten. Wir explorieren alle gemeinsam was es braucht, damit  am Ende ein gutes Lösungsbild für den Klienten entstehen kann.

Systemische Strukturaufstellungen sind Kräfte und Ressourcenorientiert. Wir schenken unsere Aufmerksamkeit dem, was schon gut funktioniert für den Klienten. Wir interessieren uns für die Ausnahmen von Problemen, weil diese uns bereits auf Teillösungen hinweisen. Wir erinnern den Klienten an seine eigene kreative Lösungskompetenz und stärken diese, indem wir sie durch unser Nachfragen wachkitzeln und hervor holen.

Eine weitere Besonderheit von Systemischen Strukturaufstellungen ist, dass ein Anliegen auch verdeckt aufgestellt werden kann. Nur der Klient weiß, worum es inhaltlich dabei geht. Mögliche Fragestellungen für eine Aufstellung können dann zum Beispiel sein: Soll ich mich für Job A oder Job B entscheiden? Oder: Woran liegt es, dass ich mit meinem Kind K immer wieder in Konflikt gerate? Oder: Wie erreiche ich endlich mein Ziel Z ?

Wurzeln und Quellen von Systemischen Strukturaufstellungen (SySt) ®

Die Systemischen Strukturaufstellungen (SySt) ® sind von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibed als systemisch-konstruktivistischer Ansatz entwickelt und in den lösungsfokussierten Ansatz der Schule von Milwaukee eingebettet worden.

Sie verstehen Systemische Strukturaufstellungen als Interventionssystem und Sprache, mit deren Hilfe Systeme im Raum mit Personen als RepräsentantInnen für Teile des Systems dargestellt werden können.

Ziel einer solchen räumlichen Abbildung ist es, das betrachtete System zu veranschaulichen, zu untersuchen und in gewünschte Richtungen zu verändern. SySt können in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden: in Therapie, Beratung, Mediation, Supervision zur Förderung von Lernprozessen, in Forschung und Kunst.

Da SySt eine Sprache sind, kann mit Ihnen im Prinzip alles sprachlich Ausdrückbare symbolisiert werden, solange die Grammatik dieser Sprache berücksichtigt wird.

Insbesondere der Aufbau eines grammatischen Regelsystems und die lösungsfokussierte Haltung unterscheiden diesen Ansatz von anderen Formen der Aufstellungen.

(Auszug aus: Systemische Strukturaufstellungen – Insa Sparrer Carl-Auer Verlag 2009)

Ablauf einer systemischen Strukturaufstellung (SySt)® in Einzelarbeit

Das Vorgespräch
Der erste Schritt ist die genaue Klärung Deines Anliegens. Worum genau soll es für Dich heute gehen? Du erinnerst Dich an Dein Thema und erzählst mir so viel oder so wenig darüber wie Du möchtest. Gemeinsam beschließen wir dann, welche Teile für Dich in Bezug auf Dein Thema relevant sind und aufgestellt werden sollen.

Die Aufstellung mit Bodenankern
In der SySt Einzelarbeit wird mit sogenannten Bodenankern gearbeitet. Dies können je nach Raumgröße und Wahl des Klienten Stühle, Kissen oder abstrakte Aufstellungsfiguren sein.

Bei der Einzelarbeit übernimmst Du als Klient alle Repräsentationen selbst. So hast Du die Möglichkeit alle Positionen selbst kennenzulernen und Informationen darüber zu erhalten. Du wählst für jedes Systemelement einen Gegenstand aus und stellen diesen, indem Du ihn in beide Hände mit Blickrichtung nach vorne hältst, auf. Aufstellen heißt Du findest dafür einen Platz im Raum, der sich für Dich stimmig anfühlt und legst den Gegenstand dort ab.

Danach stellst Du Dich der Reihenfolge nach selbst auf alle Plätze, beginnend mit der eigenen Position, erkundest diese und berichtest über die jeweiligen Unterschiede in Deiner Körperwahrnehmung. Zusammen mit dem Gastgeber und seiner SySt Grammatik, finden Du nun im Verlauf der Aufstellung selbst heraus, wann und wie etwas für Dich hilfreich und besser wird.

Dein Lösungsbild ist erreicht, wenn am Ende für Dich alles stimmig ist.

Das Nachgespräch
Manchmal ist es für den Klienten wichtig noch Fragen zur Aufstellung zu klären. Dafür ist jetzt Raum und Zeit.

Ablauf einer systemischen Strukturaufstellung (SySt) ® in einer Gruppe

Das Vorgespräch
Der erste Schritt ist die genaue Klärung Deines Anliegens. Worum soll es für Dich heute gehen? Du  erzählst so viel oder so wenig darüber wie Du  möchtst. Gemeinsam beschließen wir  welche Teile in Bezug auf Dein Thema relevant sind und aufgestellt werden sollen.

Wahl der Repräsentanten und Aufstellung
Zuerst wählst Du alle Repräsentanten für die einzelnen Elemente Deines Anliegens aus der Gruppe aus. Danach führst Du diese einzeln an einen Platz im Raum der sich für Dich stimmig anfühlt. So entsteht ein erstes Abbild Deines inneren Ist–Zustandes in Bezug auf Dein Thema.

Durch das Abfragen der Repräsentanten nach Unterschieden in ihren Körperempfindungen und Wahrnehmungen seit sie aufgestellt worden sind, erfahren wir relevantes aus dem System. Die Äußerungen der Repräsentanten, mein Wissen über systemische Grundsätze und die Grammatik von SySt, geben mir Hinweise auf sinnvolle Veränderungen des aufgestellten Bildes. Diese führen wir dann probeweise aus und überprüfen durch Befragung der Repräsentanten, ob wir uns in Richtung eines „besser“ bewegen.

Im Bild wird so lange umgestellt, verändert, ergänzt und exploriert, bis Du genügend Hinweise und Ideen über mögliche nächste Schritte erhalten hast und ein für Dich stimmiges Lösungsbild gefunden wurde.

Das Nachgespräch
Das erste Wort hat der Klient wenn er etwas sagen möchte. Die ehemals gewählten Repräsentanten können aus ihrer Rolle heraus noch etwas ergänzen, so sie das möchten. Danach ist die Aufstellung beendet.